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Kreativ – weiblich – gut im Geschäft

„Mit dem Kapital der kreativen Unternehmerinnen wuchern“

Ausgabejahr
2010
Erscheinungsdatum
18.04.2010

Jahrzehntelang als brotlose Kunst belächelt, zählt die Kultur- und Kreativwirtschaft inzwischen zu den wichtigen Sektoren unserer Volkswirtschaft. Am gestrigen Samstag trafen sich 200 Frauen unter dem Motto „Kreativ - weiblich - gut im Geschäft“ zum ersten Hamburger Branchentreffen von Unternehmerinnen aus der Hamburger Kultur- und Kreativwirtschaft in der Handelskammer Hamburg. Die bundesweite gründerinnenagentur (bga) hatte in Kooperation mit der Handelskammer Hamburg, der Hamburger Initiative für Existenzgründungen und Innovationen (H.E.I.) und kontor5 gezielt nur die weiblichen Branchenvertreterinnen eingeladen, um den Blick auf die kreativen Frauen zu lenken. „Frauen haben einen erheblichen Anteil an der Wertschöpfung und den hohen Qualitätsstandards der Branche“, betonte bga-Projektleiterin Iris Kronenbitter bei der Begrüßung. Mit einem Gewinn von über 60 Milliarden Euro im Jahr (2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts) liegt die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland inzwischen auf Platz drei nach der Automobilindustrie (3,1 Prozent) und noch vor der Chemischen Industrie (2,1 Prozent). Die Zahl der Selbständigen in der Branche wächst viermal schneller als bei den Selbstständigen insgesamt. Und jede zweite Gründung ist weiblich. „In der Kreativität und Innovationskraft dieser (Lebens-)Künstlerinnen liegt auch angesichts des wirtschaftlichen Umbruchs eine ungeheuer große Chance", betonte Iris Kronenbitter. "Da gilt es, über die Perspektiven für Gründerinnen und selbständige Unternehmerinnen in der Kreativwirtschaft zu diskutieren und die wachsenden Potenziale der vielen Solo-Selbständigen, die für die Branche typisch sind, zu stabilisieren."

Vor dem Hintergrund der Innovationskraft und Dynamik ist die Kultur- und Kreativwirtschaft inzwischen ins wirtschaftspolitische Interesse gerückt. So hat die Bundesregierung in 2008 die „Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft“ gestartet, um Licht ins weitgehend unerforschte Marktgeschehen zu bringen und branchenspezifische Förder- und Beratungsprogramme aufzulegen. Die Handelskammer Hamburg begleitet dies aktiv. „Hamburg hat im Bundesvergleich eine Spitzenposition inne, wenn es um frauengeführte Unternehmen geht. Das ist ein Kapital, mit dem wir wuchern müssen“, betonte Handelskammer-Geschäftsführerin Corinna Nienstedt, „denn die jungen, kreativen Talente, zur Hälfte Frauen, haben ein feines Gespür für Weltoffenheit und ein innovatives Klima. Die zumeist kleineren und dadurch vitaleren frauengeführten Unternehmen tragen viel zum Flair bei, das Hamburg lebenswert und wirtschaftlich attraktiv macht.“

Rund 16 Prozent aller Hamburger Unternehmen sind in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig und erwirtschaften einen Umsatz von 13,1 Milliarden Euro (4,6 Prozent des Gesamtumsatzes). Laut der neuesten Auszählung des Statistischen Amts für Hamburg und Schleswig-Holstein beschäftigen sie in 2009 rund 54.000 Menschen (8 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten einschließlich der hauptberuflichen freien Künstler/innen und Publizist/innen) mit einem Frauenanteil zwischen 25 Prozent in der Software- und Games-Industrie und 73 Prozent im Buchmarkt (Frauenanteil in den Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft insgesamt: 46,3 Prozent). „Unsere Handelskammer hat es sich auf die Fahne geschrieben, das weibliche Unternehmertum zu fördern und Frauen mit ihren spezifischen Rahmenbedingungen, wie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, geringeren Firmengrößen, usw. gezielt zu unterstützen“, sagte Corinna Nienstedt und ergänzte: „Dies gilt auch für die kreative Branche!“

In der Hansestadt werden die Aktivitäten durch die Hamburg Kreativ Gesellschaft gebündelt. Die GmbH mit Geschäftsführer Egbert Rühl hat gerade ihre Arbeit aufgenommen. Rund 3 Millionen Euro stellt Hamburg bis 2011 für die Entwicklung und Umsetzung von Förder- und Beratungsprogrammen und die weitere Profilierung als Kreativstandort zur Verfügung. "Die Hamburg Kreativ Gesellschaft weiß um den überproportional hohen Anteil von Frauen in der Kultur- und Kreativwirtschaft und nimmt das weibliche Potenzial der Branche natürlich ganz besonders in den Blick", versprach Marie-Luise Tolle, stellvertretende Amtsleiterin aus der Behörde für Kultur, Sport und Medien in ihrem Grußwort.

Den Luxus, sich einmal nur unter Frauen zu bewegen und fortzubilden, konnten die kreativen Frauen schon beim ersten Hamburger Branchentreffen genießen. „Wir finden immer wieder bestätigt, dass die ganz besondere Atmosphäre unter Frauen für diese sehr förderlich und inspirierend ist“, bemerkte denn auch Gila Otto von Frau und Arbeit e.V., die als Regionalpartnerin der bga die Veranstaltung initiiert hat. Das Branchentreffen wird deshalb mit Sicherheit nicht das letzte dieser Art sein.

Tabelle der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in der Hamburger Kultur- und Kreativwirtschaft 2008 und 2009

Tabelle der Branchenstruktur der gewerbetreibenden Unternehmen der Hamburger Kreativwirtschaft 2010

Weitere Informationen:
www.hk24.de
www.frau-und-arbeit.de