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Mit einer Million Betriebe und knapp fünf Millionen Arbeitsplätzen gehört das Handwerk zu den tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft

Ausgabejahr
2009
Erscheinungsdatum
09.11.2009

Das Handwerk gehört zu den tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft. Knapp eine Million Handwerksbetriebe in Deutschland beschäftigen laut Zentralverband des deutschen Handwerks gegenwärtig fast fünf Millionen Menschen. War um die Jahrtausendwende noch ein Rückgang der Handwerksbetriebe zu verzeichnen, so führte die Novelle der Handwerksordnung 2004 zu einem neuen Gründungsboom und in den Folgejahren zu bis zu fünf Prozent Neugründungen. Die Befürchtungen, dass die Abschaffung des Meisterzwangs in vielen Handwerksberufen zu einem Preisdumping in der Branche führt, haben sich zwar zum Teil bewahrheitet, doch bildet der Meister bzw. die Meisterin weiterhin aus Kund/-innensicht ein wichtiges Qualitätskriterium, so dass er bei Unternehmensgründungen einen signifikanten Wettbewerbsvorteil für Fachbetriebe darstellt. Vor dem Hintergrund, dass durch den demographischen Wandel und einen weiter zunehmenden Mangel an Fachkräften immer weniger qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung stehen, sieht die Bundesregierung besonderen Handlungsbedarf, das Handwerk weiter zu stärken, um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland sicherzustellen. Ein wichtiger Punkt dieser Strategie ist es, Handwerksberufe für Frauen attraktiver zu machen und sie verstärkt auch zu eigenen Unternehmensgründungen zu motivieren beziehungsweise ihnen die Chancen aufzuzeigen, die mit der Übernahme eines bereits bestehenden Handwerksbetriebs im Zuge einer Unternehmensnachfolgeregelung verbunden sind.

18.11. Fachtagung „Gründerinnen im Handwerk – Potenziale erkennen – Zukunft sichern“ im BMWI – u.a. mit Vortrag von Iris Kronenbitter, Projektleitung der bga, zu „Frauen als Zielgruppe der Existenzgründungsberatung“

Die bundesweite gründerinnenagentur (bga) als einziges bundesweites Serviceund Kompetenzzentrum zur unternehmerischen Selbstständigkeit von Frauen über alle Branchen und Phasen der Existenzgründung und des Unternehmensausbaus versteht sich als wichtige Anlaufstelle für Handwerkerinnen, die über neue Karrierewege in ihrem gelernten Beruf nachdenken. Auf der Veranstaltung „Gründerinnen im Handwerk: Potenziale erkennen – Zukunft sichern“, die am 18. November 2009 im Bundeswirtschaftsministerium in Berlin stattfindet und von der Fachhochschule des Mittelstands, Bielefeld, mit Unterstützung des Bundes organisiert wird, reflektiert Iris Kronenbitter, Projektleiterin der bundesweiten gründerinnenagentur, die Chancen und Möglichkeiten der Existenzgründungsberatung speziell für Frauen im Handwerk.

„Bereits 41,1 Prozent aller Unternehmensgründungen erfolgen laut KfWGründungsmonitor 2009 durch Frauen, im Handwerk hingegen, so eine aktuelle Studie der Fachhochschule des Mittelstands, Bielefeld, liegt die Quote der Frauengründungen bei lediglich 25 Prozent, während Frauen bereits 30 Prozent der Beschäftigten im Handwerk ausmachen. Ziel der bundesweiten gründerinnenagentur ist es, Handwerkerinnen verstärkt für die Karriereoption Unternehmensgründung zu sensibilisieren. Darüber hinaus sind Handwerksgründungen und -übernahmen auch für Frauen interessant, die beispielsweise über kaufmännische Erfahrungen im Handwerk verfügen und auf Basis dieser Expertise selbst unternehmerisch tätig werden möchten, wie sie der Verband „Unternehmefrauen im Handwerk“ repräsentiert. In unserem bga-Netzwerk von über 1.600 Expert/innen und bei unseren Regionalvertretungen in allen 16 Bundesländern finden angehende Gründerinnen und Nachfolgerinnen gute Anlaufstellen, die sie bei den ersten Planungsschritten und der Umsetzung einer Gründung oder Übernahme begleitet“, so bga-Projektleiterin Iris Kronenbitter.

Vorbilder ermutigen zum Schritt in die Selbstständigkeit

Das Potenzial unter den Handwerkerinnen ist immens. So bestehen 85 Prozent der weiblichen Auszubildenden ihre Gesellen- oder Abschlussprüfung im ersten Anlauf, während es bei den männlichen Kollegen lediglich 78,2 Prozent sind, so der Zentralverband des Deutschen Handwerks. 2009 erreichte die Zahl junger Frauen, die im Handwerk eine Lehre beginnen, mit 26,7 Prozent den höchsten Stand seit 20 Jahren und bereits 20 Prozent der Meisterprüfungen werden erfolgreich von Frauen abgelegt. Auf dem Weg in die Selbstständigkeit kommt Vorbildern eine herausragende Bedeutung zu. 40 Prozent aller Gründerinnen im Handwerk wurden durch Selbstständige im Freundeskreis zur Unternehmensgründung inspiriert, 39 Prozent durch die Eltern und 27 Prozent durch Verwandte, so die Studie der Fachhochschule des Mittelstands. Für den Aufbau des eigenen Unternehmens ist dabei die Gründungsberatung von essenzieller Bedeutung. Neun von zehn Gründerinnen im Handwerk erachten die Begleitung bei Orientierung, Planung und Gründung als sehr wichtig.

„Die bundesweite gründerinnenagentur steht Handwerkerinnen in allen Phasen der Existenzgründung mit einem Netzwerk, dem mehr als 1.600 Expertinnen und Experten der Gründungsberatung und -förderung angehören, zur Seite. Von der Erstellung des Businessplans über die Akquise des notwendigen Gründungskapitals bis hin zum konkreten Unternehmensaufbau finden Gründerinnen hier die notwendigen Ansprechpartnerinnen und -partner, die sie in betriebswirtschaftlichen, finanziellen, steuerlichen und unternehmerischen Belangen beraten. Die bga ist sich bewusst, dass Vorbilder für die Gründungsentscheidung von Frauen eine herausragende Rolle spielen. Auf dem Internet-Portal der bga finden gründungsinteressierte Frauen deshalb Portraits erfolgreicher Gründerinnen und Nachfolgerinnen aus dem Handwerk und weiteren Branchen, die über ihre persönlichen Erfolgsmodelle berichten“, so bga-Projektleiterin Iris Kronenbitter.

Frauengründungen im Handwerk als Arbeitsplatzmotor

Den Unternehmensgründungen von Frauen im Handwerk kommt eine wichtige Rolle bei der Schaffung von Arbeitsplätzen zu. Laut Fachhochschule des Mittelstands wurden allein zwischen 2005 und 2007 47.000 Handwerksbetriebe von Frauen gegründet. 38 Prozent der Gründerinnen schaffen Arbeitsplätze, 30 Prozent davon sogar mehr als drei Stellen. Knapp jeder fünfte Frauenbetrieb entsteht im Zuge einer Unternehmensnachfolge, so dass die engagierten Frauen hier den Erhalt bestehender Arbeitsplätze sicherstellen. Darüber hinaus bietet die Gründung eines eigenen Betriebs für viele Handwerkerinnen die Möglichkeit, im Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen, denn 33 Prozent der Frauengründungen im Handwerk erfolgen aus der Arbeitslosigkeit.

Wesentlicher Antrieb ist für 76 Prozent der Gründerinnen die berufliche Unabhängigkeit im eigenen Betrieb. Zwei von drei Handwerkerinnen fühlen sich von der besonderen beruflichen Herausforderung zur Gründung motiviert und mehr als die Hälfte strebt mit dem eigenen Unternehmen nach Selbstverwirklichung. Darüber hinaus verbindet knapp die Hälfte der Gründerinnen mit dem Schritt in die Selbstständigkeit den Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten und einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie. 30 Prozent der Gründerinnen arbeiten deshalb nur bis zu 30 Stunden pro Woche im eigenen Betrieb, allerdings sind ebenso viele Handwerkerinnen 40 bis 60 Stunden pro Woche im eigenen Unternehmen aktiv.

„Die Gründerinnen im Handwerk haben sehr ambitionierte Ziele und setzen diese selbstbewusst um. Allerdings sehen sich beispielsweise 57 Prozent der Inhaberinnen von Handwerksbetrieben auch damit konfrontiert, schwerer als männliche Mitbewerber für den Unternehmensaufbau notwendige Kredite zu erhalten. Hier tritt die bundesweite gründerinnen mit ihrem Netzwerk aus Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Gründungsförderung dafür ein, Einstiegsbarrieren zu vermindern und die positive öffentliche Wahrnehmung von Gründerinnen im Handwerk zu verbessern. Mit Blick auf die persönliche Motivationslage der Unternehmerinnen wird deutlich, wie wichtig es ist, zur Mobilisierung von mehr Frauen im Arbeitsmarkt allgemein und im Gründungsgeschehen im besonderen deren spezifische Bedürfnisse zu adressieren. Der wachsende Fachkräftemangel in vielen Branchen – alleine in Nordrhein-Westfalen finden bereits 30 Prozent der Handwerksbetriebe keine geeigneten Mitarbeiter und 15 Prozent können ihre Ausbildungsplätze nicht adäquat besetzen – und der demographische Rückgang der Erwerbstätigen machen es notwendig, künftig Frauen verstärkt im Handwerk zu mobilisieren. Viele dieser Frauen wollen beruflich erfolgreich sein, aber darüber hinaus auch Zeit für ihre Familie haben. Mit der Gründung eines eigenen Betriebs lassen sich diese Ziele leichter realisieren. Die bundesweite gründerinnenagentur, die mit ihrem Beratungsangebot auf die besonderen Interessenlagen von Gründerinnen eingerichtet ist, unterstützt Handwerkerinnen dabei, die von ihnen favorisierten Modelle der Selbstständigkeit erfolgreich auf den Weg zu bringen“, so bga-Projektleiterin Iris Kronenbitter.

Portraits von erfolgreichen Unternehmerinnen im Handwerk und weiteren Branchen finden sich in unserer Gründerinnen-Galerie.